17.01.26 –
Wasser ganz selbstverständlich? "Dass es für zukünftige Generationen in ausreichender Menge und Qualität erhalten bleibt, ist eine große Herausforderung", so Dr. Carolin Böker*, Biologin mit dem Fokus auf Wasserökosysteme. Sie kandidiert auf Platz 1 der Grünen für den Aßlinger Gemeinderat.
In ihrem Vortrag im gut gefülltem Ratszimmer in Aßling beleuchtete Dr. Carolin Böker* die Bedeutung von Wasser als unser wichtigstes Lebensmittel und die Herausforderungen, vor denen Gemeinden im Hinblick auf den Wasserkreislauf stehen. Der interessante Vortrag führte uns vor Augen, welche Faktoren sich negativ auf die Wasserökosysteme auswirken. Dass das aber nicht so sein muss, dafür gibt es auch Lösungen - die gilt es umzusetzen!
Wasser ein Geschenk der Natur
Der Vortrag startete mit einem Zitat von Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises: "In der Geschichte ist Wasser, und vor allem sein Ursprung, die Quelle, immer ein Gegenstand von Verehrung und Respekt gewesen. Die Erfindung des Wasserhahns und der Mineralwasserflasche haben uns vergessen lassen, dass Wasser, bevor es aus dem Hahn fließt oder in Flaschen verkauft wird, ein Geschenk der Natur ist.“
Der Wasserkreislauf und seine beeinflussenden Faktoren
Der Wasserkreislauf besteht aus Verdunstung, Kondensation, Niederschlägen, oberflächlichem Abfluss, Versickerung, Oberflächenwasser und Grundwasser. Dieser Kreislauf wird maßgeblich durch Landnutzungswandel und Klimawandel beeinflusst.
Auswirkungen des Landnutzungswandels
Der Landnutzungswandel hat gravierende Folgen für Wasserressourcen und Ökosysteme.
- Begradigungen von Fließgewässern und großflächige Entwässerungen führen zu Hochwasser und Grundwasserabsenkung.
- Hoher Eintrag von Feinsedimenten und Übernutzung der Gewässer beeinträchtigen Habitatbedingungen und Artenvielfalt.
Klimawandel und seine Folgen
Der Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit und die Umwelt.
- Zurückgehende Grundwasserneubildungsraten und höhere Temperaturen erhöhen die Verdunstung.
- Seltenere, aber heftigere Niederschläge verstärken Oberflächenabflüsse und reduzieren die Versickerung.
- Gletscherschmelze (Zitat: "Das 'ewige' Eis leidet im Klimastress unter galoppierender Schwindsucht.")
Herausforderungen für Gemeinden
Die genannten Faktoren führen zu Herausforderungen in den Bereichen:
- Trinkwasserversorgung
- Hochwasserschutz
- Niederschlagswasserbeseitigung
- Kläranlagen
- Wegebau
- Stoffeinträge in Oberflächengewässer und Grundwasser
Maßnahmen zur Verbesserung der Wassersituation
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Herausforderungen zu begegnen:
- Mosaikartige Schwammlandschaften schaffen: Multifunktionale Versickerungsmulden, Versickerung von Niederschlagswasser vor Ort, abflussbremsende Gestaltung von Straßengräben, Begrünung statt Versiegelung, Hecken statt Steingabionen, Sickerpflaster statt Beton/Teer.
- Verdunstung reduzieren: Hecken, Agri-PV, durchgehende Bodenbedeckung auf Ackerflächen.
- Grüne Gräben in der Landwirtschaft zur Rückinfiltration.
- Bodenleben fördern und Humusbildung mit Kleegras.
- Oberflächenabfluss bremsen und Infiltration fördern: Totholz parallel zum Hang im Wald, Retentionsmulden.
- Dezentrale Rückhaltebecken bauen und Renaturierung (z.B. der Attel) zum Hochwasserschutz, zur Erhöhung der Gewässer- und Habitatqualität und als Naherholungsort.
- Ressourcenschonend bauen und leben: Energetisch sanieren, Rad statt Auto, bewusst konsumieren.
- Energie sparen und heimisches Wasser sparen.
- Auf virtuelles Wasser achten (Wasserfußabdruck verschiedener Produkte berücksichtigen).
Individuelle Beiträge zum Grundwasserschutz
Jeder kann aktiv zum Schutz des Grundwassers beitragen.
- Regional und saisonal einkaufen, Kompost im Garten nutzen und umweltfreundliche Putzmittel verwenden.
- Bewusster Umgang mit Wasser und regelmäßige Kontrolle der Hausanschlussleitungen.
Fazit:
Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und muss für zukünftige Generationen in ausreichender Menge und Qualität erhalten werden. Die Gemeinde spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Von: Waltraud Gruber
Informationsquellen für vertieften Einblick:
- Aktion Grundwasserschutz (www.aktiongrundwasserschutz.de)
- boden:ständig Projekt (www.boden-staendig.eu)
- LfU (www.lfu.bayern.de)
- StMUV (www.stmuv.bayern.de)
- BfN (www.bfn.de)
- UBA (www.umweltbundesamt.de)
- WWA Rosenheim (www.wwa-ro.bayern.de)
- KLIWA Bericht (www.kliwa.de)
- Deutscher Wetterdienst (www.dwd.de)
- Bayerischer Gletscherbericht (https://badw.de)
* Dr. Carolin Böker ist eine erfahrene Biologin mit einem Fokus auf Wasserökosysteme und kandidiert für den Gemeinderat 2026:
- Studium der Biologie an der TU München, Master of Science mit Auszeichnung (2012).
- Promotion in Aquatischer Systembiologie (2019) unter Prof. Geist.
- Angestellte der Naturschutzbehörde in Oberbayern, spezialisiert auf wasserrechtliche Beurteilungen.