Bündnis 90/Die Grünen

im Landkreis Ebersberg

Tempo 30 auf der Münchener Straße beschlossen

Erster Schritt aus Bürgerempfehlung und Mobilitätskonzept

15.02.26 –

Der Technische Ausschuss des Stadtrats hat Tempo 30 auf der Münchener Straße beschlossen. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Metzgerei Maisch und dem Ortsausgang Richtung Kirchseeon (1,3 Kilometer). Die Entscheidung fiel mit 8:4 knapper aus als erwartet, da die CSU/FDP-Fraktion geschlossen dagegen stimmte.

Der Beschluss setzt eine klare Empfehlung aus der Bürgerversammlung um – und er ist zugleich ein erster konkreter Baustein aus dem Integrierten Mobilitätskonzept, das 2024 mit breiter Mehrheit beschlossen wurde.

Deutliches Votum aus der Bürgerversammlung

Der Anstoß kam aus der Bürgerversammlung im November 2025: Dort sprach sich eine Mehrheit für Tempo 30 auf diesem Abschnitt aus. Das hatte gute Gründe. Auf der Münchener Straße fahren rund 15.000 Fahrzeuge täglich. Entlang der Strecke liegen mehrere konfliktträchtige Einmündungen, stark genutzte Schulwege, die Realschule, die Dreifachturnhalle, die Kreisklinik, Pflegeeinrichtungen sowie eine Rettungswache.

Dieses Votum war für uns ein deutliches Mandat, das Thema im Technischen Ausschuss nicht nur zu diskutieren, sondern zu entscheiden.

Mehr Spielraum durch die StVO-Novellierung 2025

Mit der StVO-Novellierung von 2025 wurde der Handlungsspielraum der Kommunen ganz bewusst erweitert – insbesondere im Umfeld sensibler Einrichtungen wie Schulen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Die Verwaltung hat diese neuen Möglichkeiten geprüft und für die Münchener Straße so genutzt, dass die Anordnung fachlich nachvollziehbar und rechtlich belastbar ist.

Eine Minute Fahrzeit – spürbarer Gewinn an Sicherheit

Auf 1,3 Kilometern beträgt die reine Fahrzeit bei Tempo 50 etwa 1 Minute 34 Sekunden, bei Tempo 30 rund 2 Minuten 36 Sekunden. Der Unterschied liegt bei gut einer Minute – und das nur, wenn die Strecke gleichmäßig durchfahren werden kann.

Politik heißt abwägen: Einer Minute Fahrzeit stehen ein spürbarer Sicherheitsgewinn und eine höhere Aufenthalts- und Lebensqualität gegenüber.

Sicherheit: Der Unterschied zwischen 30 und 50 ist entscheidend

Zwischen 30 und 50 km/h liegt kein „bisschen schneller“, sondern ein großer Unterschied. Bei Tempo 30 kommt ein Fahrzeug nach Reaktionszeit und Bremsvorgang zum Stillstand – während ein Fahrzeug mit Tempo 50 in dieser Situation erst mit dem Bremsen beginnt. Genau das ist auf einer Strecke mit Schulwegen, Klinik, Pflegeheim und stark frequentierten Querungen besonders relevant.

Lärm: 2–3 dB(A) weniger – physikalisch deutlich, praktisch spürbar

Eine Reduzierung von 50 auf 30 km/h senkt den Verkehrslärm um etwa 2 bis 3 dB(A). Das ist nicht „ein bisschen weniger“, sondern physikalisch relevant: 3 dB(A) entsprechen näherungsweise einer Halbierung der Schallenergie.

Auf einer Straße mit rund 15.000 Fahrzeugen pro Tag bedeutet das vereinfacht gesagt: Der Lärm bei Tempo 30 entspricht eher dem Verkehr von etwa 7.500 Fahrzeugen – also deutlich weniger Belastung für Anwohnerinnen und Anwohner ebenso wie für Patientinnen und Patienten.

Tempo 30 als Grundlage für die nächsten Schritte

Tempo 30 steht nicht für sich allein. Im Integrierten Mobilitätskonzept (IMK) ist die Münchener Straße als überdimensionierter Straßenraum beschrieben. Dort sind unter anderem folgende Ziele benannt:

  • Fahrbahnbreiten überprüfen und perspektivisch anpassen

  • Querungen sicherer und übersichtlicher gestalten

  • Fuß- und Radverkehr stärken

Eine Reduzierung der Geschwindigkeit schafft dafür die planerische Grundlage. Erst bei Tempo 30 wird es realistischer, Fahrstreifen zu verschmälern, Querungssituationen neu zu ordnen und Raum zugunsten von Rad- und Fußverkehr besser zu verteilen. Hier greifen die sogenannten „Push-“ und „Pull-Maßnahmen“ aus dem IMK zusammen: klare Regeln für den Kfz-Verkehr – und gleichzeitig attraktivere, sicherere Alternativen.

Ein Antrag aus der Jugendversammlung zur Stärkung des Radverkehrs steht in genau diesem Zusammenhang.

Politische Einordnung: Konzept beschließen heißt auch Bausteine umsetzen

Dass die Entscheidung nicht eindeutiger ausfiel, ist bedauerlich – zumal von der CSU/FDP-Fraktion in der Debatte selbst eingeräumt wurde, dass Tempo 30 Vorteile für Sicherheit und Lärmminderung bringt.

Gerade weil das IMK zuvor von einer breiteren Mehrheit getragen wurde, ist es wichtig, dieses ausgewogene Gesamtpaket nicht durch Einzelentscheidungen auszuhöhlen. Wer einem Konzept zustimmt, sollte auch bereit sein, seine Bausteine umzusetzen.

Fazit und Gesprächsangebot

Einer Minute Fahrzeit stehen mehr Sicherheit, weniger Lärm und bessere Voraussetzungen für die Neuordnung des Straßenraums gegenüber. Für uns war das eine klare Entscheidung.

Das IMK  ist bewusst als ineinander verzahntes Gesamtpaket gedacht – und nicht jede Maßnahme erklärt sich auf den ersten Blick von selbst. Wenn Sie Fragen dazu haben oder verstehen möchten, was genau beschlossen wurde und warum, kommen Sie gerne auf uns zu. Wir erklären die Inhalte und die nächsten Schritte gerne im Gespräch.

(JFr)

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