



22.02.26 –
Das Ratszimmer in Aßling war bis auf den letzten Platz besetzt, als am vergangenen Samstag rund 60 Menschen kamen, um Gisela Sengl, die Landesvorsitzende der Bayerischen Grünen, und den Klimaschutzbeauftragten Sebastian Gardt zum Thema Wohnen zu erleben.
Mit dem Thema haben die Grünen einen Nerv getroffen, denn Wohnen ist eines unserer zentralen Themen im teuersten Bundesland – es geht um unseren Lebensraum und unser Zuhause.
Grünen-Ortssprecherin Waltraud Gruber sah es als große Ehre, dass die Landesvorsitzende nach Aßling kam. Sie begrüßet Gisela Sengl als eine herausragende Persönlichkeit, „die kein Blatt vor den Mund nimmt, dabei nahbar und authentisch ist und die man auch versteht“.
Der bayerische Wohnungsmarkt steht unter erheblichem Druck: Seit 2014 sind die Mieten um mehr als 20 % gestiegen, die Baukosten haben stark zugenommen, die Bevölkerung wächst und der Wohnflächenbedarf pro Person steigt. Besonders in Ballungsräumen wie München verschärft sich die Lage.
Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, setzt Sengl auf drei Schwerpunkte: Stärkung der Kommunen, faire Mieten und Bekämpfung von Spekulation.
Kommunen sollen durch langfristige Förderprogramme, die Einführung der Grundsteuer C und ein verpflichtendes Leerstandskataster handlungsfähiger werden.
Eine Leerstandsabgabe soll helfen, ungenutzten Wohnraum wieder verfügbar zu machen.
Für private Bauvorhaben werden Entlastungen vorgeschlagen – etwa die Abschaffung der Grunderwerbsteuer für das erste Eigenheim, die Förderung von Erbpachtmodellen und zinslose Kredite. Gleichzeitig sollen kommunale Wohnbaugesellschaften und Genossenschaften gestärkt werden, um dauerhaft günstigen Wohnraum zu sichern. Die Mietpreisbremse soll entfristet und Schlupflöcher geschlossen werden.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die Einführung einer Umbauordnung, die Umbauten und Umnutzungen erleichtert und ressourcenschonendes Bauen fördert. Beispiele aus München, dem Oberallgäu und Österreich zeigen, dass konsequente Zweckentfremdungssatzungen, kommunaler Wohnungsbau und innovative Vermietungsmodelle erfolgreich Leerstand reduzieren und bezahlbaren Wohnraum schaffen können.
Insgesamt präsentierte Gisela Sengl einen pragmatischen Ansatz mit vielen positiven Beispielen, der Kommunen stärkt, Spekulation eindämmt und nachhaltige Lösungen für bezahlbares Wohnen fördert.
Die Bereiche Energieversorgung und Klimafolgenanpassung wurden dann anschließend von Sebastian Gardt erläutert. Er ist Klimaschutzmanager des Landkreises München und Listendkandidat der Aßlinger Grünen.
Der Klimawandel treffe Europa besonders stark: "Deutschland ist bereits deutlich wärmer als zur Jahrhundertwende. Bis 2100 werden für den Großraum München klimatische Bedingungen wie in Mailand erwartet. Gebäude müssen daher widerstandsfähiger gegen Hitze, Starkregen und Trockenheit werden.“, so Sebastian Gardt.
Zusätzlich steigen auch die Kosten für fossile Energien sowie für notwendige Schutz‑ und Anpassungsmaßnahmen an Gebäuden. Gesundheitliche Belastungen – insbesondere durch Hitze, schlechte Luftqualität und zunehmende Allergien – verstärken den Handlungsdruck zusätzlich.
„Es ist möglich, nur mit eigener Energie zu wohnen“, erklärte Gardt und stellte Konzepte zur Reduktion des Energieverbrauchs sowie zur Stärkung der Eigenversorgung vor. Auch niedrigschwellige Lösungen wie Steckersolaranlagen seien einfach zu installieren und inzwischen zu geringen Kosten erhältlich.
Für die Klimaanpassung stehen drei zentrale Strategien im Vordergrund: Verschattung, Versickerung und Begrünung. Verschattungsmaßnahmen reduzieren die sommerliche Überhitzung, Versickerungssysteme nehmen Regenwasser lokal auf und mindern Überflutungsrisiken, und Dach‑ sowie Fassadenbegrünungen tragen zur Kühlung, zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Förderung der Biodiversität bei.
Praxisbeispiele zeigen, dass diese Maßnahmen sowohl ökologisch als auch städtebaulich wirksam sind. Die Bilder verdeutlichen, dass Klimavorsorge einen Ort bereichert, zum Aufenthalt im Freien einlädt, Gemeinschaft fördert und einfach schön ist.
Nach den Vorträgen entwickelte sich eine rege Diskussion, denn Wohnen geht uns alle an. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Überblick rund um das Thema Wohnen und präsentierte umsetzbare Lösungsansätze. Auch nach dem offiziellen Ende wurde in kleinen Runden noch lange weiter diskutiert.
Von: Waltraud Gruber
→ Die Präsentation von Gisela Sengl können Sie hier nachlesen
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