20.05.26 –
Auf der Kreisversammlung der Grünen in Glonn wurden Burgl und Walter Ismaier sowie Ottilie Eberl für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Carl Behmer und Waltraud Gruber blickten in ihrer Laudatio locker und unterhaltsam auf die gemeinsame Zeit zurück.
Liebe Burgl, lieber Walter,
40 Jahre Grüne, wenn ihr vor 40 Jahren gewusst hättet, dass ich heute eure Laudatio halte, wer weiß, vielleicht wäre alles ganz anders gekommen.
Burgl, du bist eingetreten an einem Samstag, den 23.11.1985. An diesem Tag fand auch das erste historische Treffen von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow statt.
Walter bei dir war es der 12.1.1986, gleichzeitig startete das Raumschiff Columbia und 2 Wochen später die viel berühmtere Challenger. Da es dann ja mit der Raumfahrt erst mal nichts mehr werden konnte waren die Grünen sicherlich eine gute Entscheidung.
Beide seid ihr also noch vor Tschernobyl am 26.4.86 eingetreten und auch lange vor der Wiedervereinigung. Die Grünen hatten da etwa 25.000. Mitglieder, heute sind es 185.000.
Die Welt war damals noch eine andere.
Die Grünen waren gerade zum ersten Mal in den bayerischen Landtag eingezogen, das erste bundesweite Treffen der „Realos“ fand statt und kurz darauf das erste Treffen der „Linken in den Grünen“
Die Bundesregierung war eine Schwarz-Gelbe unter Helmut Kohl und Hans Dietrich Genscher, unsere Partei wurde geführt von Petra Kelly und Rainer Trampert, unsere Bundestagsfraktion in einjähriger Rotation von Annemarie Borgmann und Hannegret Hönes, beide nahezu vergessen.
In der Welt wurde der Walkmann erfunden, ebenso der erste Laptop Computer von IBM, es gab 3 Fernsehprogramme und die Kugel Eis kostete 30 Pfennig. Ein wichtiger Punkt für die bayerischen Grünen war die Verhinderung von Wackersdorf und des Münchner Flughafens.
Aber nun zu euch:
"Burgl, deine Themen waren vor allem Ernährung, Landwirtschaft und Gesundheit, dazu passte auch sehr gut deine Ausbildung zur Heilpraktikerin oder auch laut Google zum Alternativmediziner. World wide web und bayerische Vornamen sind nicht wirklich kompatibel. Sehr gut dazu passt allerdings eine Öko Weinhandlung.
Du bist eine begeisterte Zeitungsleserin, Süddeutsche, Münchner Merkur und Taz sind ständige Lektüre, darüber hinaus bist du auch sehr Kultur interessiert.
Du gehörts seit vielen Jahren zu dem Freundeskreis und den Unterstützerinnen des Metropoltheaters in München und hast früher im Landkreis Volkstanzabende mit den „Well Buam“ organisiert.
Walter zu dir, du warst Lehrer, für Latein und Sport, bist inzwischen im Ruhestand, hast aber zum Teil immer noch Kontakt zu ehemaligen Schülern. Du bist leidenschaftlicher Biogärtner und kümmerst dich immer schon im Bund Naturschutz vor allem um die Amphibien, niemand kann sagen wieviel Kilometer Krötenzäune du schon aufgestellt hast. Außerdem bist du auch ein begeisterter Bergsteiger und Skifahrer, und hast früher auch viele Expeditionen zu sehr exotischen Zielen gemacht. Vor allem aber gehörst du einem grünen Think Tank an, der seit über 30 Jahren aktiven Billardgruppe mit verdienten Ur-Grünen. Georg Schwaiger aus Baldham, Mathias Konrad aus Ebersberg, Benedikt Maier aus Emmering, du und ich. Wir spielen nicht nur brilliant auf allerhöchstem Niveau, sondern retten auch seit 30 Jahren, bis heute, einmal im Monat die Welt.
Beide zusammen seid ihr überzeugte Radfahrer und habt euch auch hier schon für viele Radwege und Verkehrsprojekte eingesetzt.
Und auch als Sänger in verschiedenen Chören seid ihr beide äußerst aktiv.
Zu eurer politischen Arbeit.
Die wichtigsten Themen im Landkreis waren damals Die Kreismülldeponie, der Straßenbau (Ortsverbindungsstraße Haging-Jakobneuharting), Radwegebau und die Schulen.
Burgl, du warst von Anfang an auf Kreisebene aktiv, hast 1988 mit der ersten Kreistagsfraktion ein Treffen in Glonn organisiert, da der Wirt Grüne nicht in seine Gaststätte lies, musste ganz schnell umgeplant werden. Ab 1990 gehörtest du dann selber, auch mit mir der 2. Kreistagsfraktion an, parallel dazu warst du auch im Kreisvorstand, beides bis 1996, dann warst du nochmal Kreisvorstand von 2005 bis 2008.
Du warst immer unser grünes Gewissen und zeitweilig eben auch das Bindeglied zwischen Fraktion und Vorstand.
Walter, du hattest nie ein Mandat aber warst zeitweilig auch im Kreisvorstand. Ich konnte leider nicht mehr genau feststellen wann. Du wirktest vor allem im Hintergrund und warst hier die Basis im besten Sinne. Besonders hervorgetan hast du dich auch als Plakatkleber einschließlich der Erfindung eines bis heute geheimen unzerstörbaren Klebstoffes. Auch an eine andere Aktion kann ich mich noch erinnern. Du standest als Einzelkämpfer in einer schwarzen Robe am Glonner Marktplatz um gegen eine Justizreform zu protestieren.
Ihr habt euch zusammen perfekt ergänzt, und wart auch bei nahezu allen Wahlprogrammen und Veröffentlichungen im Hintergrund redaktionell tätig, auch das bis heute.
Dazu kam natürlich auch noch der Ortsverband, Gründung 2012.
Hervorgegangen aus dem Arbeitskreis Komma/SPD in dem ihr auch schon viele Jahre lang aktiv wart. Eure Themen hier, Radweg alter Bahndamm und Sperrung alte Glonner Straße einschließlich Organisation einer Verkehrszählung.
Darüber hinaus wart ihr beide auch an vielen Aktionen beteiligt, vor allem eine ist mir noch in Erinnerung. Eins der Landkreisthemen war damals die Müllentsorgung und wir wollten auch andere Landkreise an unserem Wissen teilhaben lassen. Wir fuhren also mit jeder Menge unsortierten Müll nach Starnberg und zeigten den Starnbergern wie man dies auf ihrem Marktplatz sortiert. Empfangen wurden wir wie europäische Forschungsreisende in Obervolta die dort unter Jubelstürmen Glasperlen verteilten.
Zusammenfassend:
Ich möchte mich im Namen aller Grünen bei euch bedanken und persönlich auch für unsere 40 Jährige Freundschaft."
Von: Carl Behmer
Jede Geschichte braucht einen Titel. Und diesen habe ich für Otti gewählt. Was es mit der beigen Jacke auf sich hat? Das werdet ihr gleich erfahren.
Meine erste Begegnung mit Otti war vor 40 Jahren. Es war die Gründung des Grünen Grafinger Ortsverbands. Der Aßlinger OV existierte schon länger und wir waren gekommen um die Grafinger*innen zu unterstützen.
Otti bemerkte meine beige Leinenjacke und sagte: „Die gefällt mir“. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen stolz, denn ich habe sie selbst aus einer alten Jacke geschneidert, die mir nicht passte. Lange noch bevor „Upcycling“ überhaupt ein Begriff war.
Warum gerade diese kleine Szene meine erste Erinnerung an Otti ist? Weil sie typisch ist.
Otti schaut genau hin, analysiert präzise, bildet sich eine Meinung und behält diese dann auch nicht für sich. Wenn Otti was sagt, muss man nicht zwischen den Zeilen lesen, was sie gemeint hätte. Was sie sagt, meint sie genau so. Punkt. Schnörkellos, direkt, ehrlich.
Deshalb hat mich ihr Lob über mein Jackenwerk so gefreut.
Natürlich kann sie auch Kritik üben – und auch die ist genauso gemeint wie sie ausgesprochen wird.
Wie einfach wäre Kommunikation, wenn alle so ehrlich wären – ohne Floskeln, Nebelschwaden und Ausflüchte!
Diese Direktheit und Ehrlichkeit sind die Voraussetzungen, die wirklich gute Politiker*innen ausmachen – und so ist Otti Politikerin geworden.
Seit 40 Jahren ist sie nun Mitglied bei den Grünen.
Bis vor kurzem war sie Dreirätin. Kennt alle drei kommunalen Ebenen der Politik genau. Von 1990 - 2014 und erneut von 2020 bis 2026 war sie Stadträtin in Grafing, seit 2020 ist sie Kreisrätin und von 2018 bis 2023 und wieder ab 2024 Bezirksrätin in Oberbayern.
Und wenn Otti ein Thema aufgreift, dann richtig: informiert, analysiert, vor Ort geprüft – und dann klar gesagt. Auch in den kommunalen Gremien kommt das an. Bei Parteifreund*innen und darüber hinaus.
Was treibt sie politisch an? Sozialpolitik, Sozialpolitik und noch einmal Sozialpolitik. Und sie weiß von was sie spricht. Als gelernte Erzieherin arbeitete sie seit 1977 im Einrichtungsverbund Steinhöring mit dem Schwerpunkt der Betreuung von geistig behinderten Menschen. Inklusion und Barrierefreiheit sind für sie nicht Schlagworte, sondern gelebte Überzeugung.
Aber auch Mobilität sowie bezahlbares und innovatives Wohnen liegen ihr sehr am Herzen. Auf letzteres komme ich gleich noch.
Aber nochmal einen Zeitsprung zurück.
Vor 40 Jahren konnten wir nachhaltige Produkte nicht einfach im Laden kaufen – auch den Versandhandel dazu gab es kaum.
Also nahm Otti das selbst in die Hand. Überall wo Otti auftauchte, hatte sie Recyclingschnüre, Umweltschutzbriefpapier, Gummibänder aus Kautschuk und vieles mehr dabei und wir konnten uns bei ihr damit eindecken.
Kein Wunder also, dass sie später half den Fair-Weltladen in Grafing zu gründen.
Immer, wenn sich eine neue richtungsweisende Entwicklung vor Ort abzeichnete – Otti war mit dabei: So ist sie Mitgründerin der Kinderwerkstatt Grafing, des Frauenzentrums Ebersberg, des Grafinger Autoteiler e.V. und des WiNGS e.V. (Wohnen in Nachbarschaft Grafing Stadt) und Mitglied im Kuratorium der Stiftung Seniorenhaus Grafing
Und jetzt hat sich auch ihr Traum vom innovativen Wohnen erfüllt. Vor 40 Jahren lebte Otti bereits in einer WG, jetzt ist sie in die Senioren-Hausgemeinschaft „Salwe“ in Ebersberg gezogen. „Sozial und Alternativ Leben und Wohnen in Ebersberg“, ein Leuchtturmprojekt.
Zusammen mit Uwe sind sie dort die jüngsten Mitbewohner*innen, die Senioren-Küken sozusagen. Hier wohnt bereites Altlandrat Hans Vollhardt und nun auch die stellvertretende Landrätin Otti, die sie seit Montag ist.
In ihrem Profil auf der Homepage schreibt sie: „seit 1977 bin ich im Landkreis Ebersberg beruflich und privat unterwegs.“ Es gibt also auch eine private Otti: Mit Uwe, zwei erwachsenen Kindern und 3 Enkelkindern. Ein erfülltes Leben!
Ich habe extra nachgeschlagen, wie „erfülltes Leben“ definiert wird: „Im Einklang mit den eigenen Werten leben, Sinnhaftigkeit finden und stabile liebevolle Beziehungen pflegen. Das trifft auf Otti in jeder Hinsicht zu.
Die Grünen im Landkreis Ebersberg hatten Glück, eine so engagierte, verlässliche und richtungsweisende Persönlichkeit zu haben. Und um noch einmal auf die beige Jacke zurück zu kommen. Wir brauchen Menschen wie Otti, für die nicht alles "Jacke wie Hose" ist, die bewusst leben und leidenschaftlich für ihre Ziele brennen.
„Otti du hast uns entscheidend geprägt – danke für dein immenses Engagement, seit mehr als 40 Jahren!“
Wir wünschen dir weiterhin eine spannende aktive Reise, geprägt von deiner inneren Haltung, deinen Ideen, deiner Fantasie und deiner Tatkraft, um all das umzusetzen, was zukunftsweisend, wichtig und wertvoll ist."
Von: Waltraud Gruber

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