Bündnis 90/Die Grünen

im Landkreis Ebersberg

Diskussion um Josef Wintrich

Grüner Antrag einstimmig beschlossen – Bürger:innen sollen sich selbst informieren können

23.10.26 –

Ebersberg - Der Umwelt-Sozial-Kultur-Ausschusses in Ebersberg hat den Antrag der Grünen Stadtratsfraktion einstimmig angenommen, eine öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung zu Dr. Wintrich durchzuführen.

Eine Straße, eine Realschule und eine Turnhalle sind in Ebersberg nach Dr. Josef Wintrich benannt. Der spätere Präsident des Bundesverfassungsgerichts (1954-1958) war während der NS-Zeit Richter am Amtsgericht Ebersberg. Als Vormundschaftsrichter war er auch für Angelegenheiten des von der SS getragenen „Lebensborn“-Heims in Steinhöring zuständig.

Lange überwog in Ebersberg ein positives Bild von Josef Wintrich. Seine Versetzung nach Ebersberg wurde als Strafmaßnahme wegen seines Einsatzes für die Aufklärung von Todesfällen im KZ Dachau gedeutet. Auch wurde ihm zugeschrieben, als Richter Menschen vor der Willkür des NS-Regimes geschützt zu haben. Die neue Studie stellt zentrale Elemente dieser Darstellung infrage. Nach dem Krieg setzte Wintrich seine juristische Laufbahn fort. 1953 wurde er Richter am Bundesverfassungsgericht, von 1954 bis zu seinem Tod 1958 war er dessen Präsident.

Seine Tätigkeit am Bundesverfassungsgericht war der Grund, weshalb auch Wintrich in einer neuen Studie des Instituts für Zeitgeschichte untersucht wurde. Im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts erforschten Dr. Eva Balz und Dr. Frieder Günther dessen frühe Geschichte und den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Bereits 2024 beantragte die Grüne Stadtratsfraktion (SZ-Artikel) über einen möglichen Umgang mit den Dr. Wintrich-Namensnennungen im Stadtgebiet nachzudenken. Eine inhaltliche Beratung wurde damals zunächst zurückgestellt, um die Ergebnisse des Forschungsprojekts abzuwarten.

Im Mai 2026 ist nun „Verwandlung durch Recht“ erschienen (Link zum ifz). Um die Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen und Bürger:innen Gelegenheit zu Fragen und zur Diskussion zu geben, hat die Grüne Stadtratsfraktion im Juli eine öffentliche Veranstaltung beantragt. Im Mittelpunkt sollen wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre unterschiedlichen Bewertungen stehen, nicht der Austausch parteipolitischer Positionen. Eingeladen werden sollen die beiden Autor:innen der Studie, Dr. Frieder Günther und Dr. Eva Balz, sowie Kreisarchivpfleger Bernhard Schäfer, der selbst zur Biografie Wintrichs geforscht hat.

Der einstimmige Beschluss schafft die Grundlage für eine offene und sachliche Auseinandersetzung. Uns Grünen geht es darum, die unterschiedlichen historischen Bewertungen nachvollziehbar zu machen und Bürger:innen eine fundierte eigene Meinungsbildung zu ermöglichen. Welche Konsequenzen sich daraus für den Umgang mit Wintrich als Namensgeber ergeben, soll nicht vorweggenommen werden.

(MBl, JFr)

Kategorie

Demokratie

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