





02.09.26 –
In den letzten Stunden vor der Wahl noch einmal gemeinsam alles geben. Denn jetzt zählt jedes Gespräch für die Demokratie. Maximilian Blindhuber unterstützt die Grünen vor Ort und schildert seine Eindrücke.
Die beiden Grünen Landesverbände von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Werbung freuen sich über jede Unterstützung. Es geht um viel. Dort kämpfen die die Grünen um die 5%-Hürde - die AfD könnte dort möglicherweise eine Landesregierung - das gilt es unbedingt zu verhindern. Maximilian Blindhuber, Kreisvorstandssprecher und Grüner Stadtrat in Ebersberg, stieg in den Zug und ist mittendrin im Wahlkampf in beiden Bundesländern.
'Eine Woche pro Landesverband wollte ich beisteuern. Dazu möglichst langsam durchs Land reisen, um auch die Gegend zu entdecken. Daher fahre ich alles – bis auf die Rückfahrt – mit dem Deutschlandticket. Seit dem 17.08. bin ich unterwegs. Nach einem Tag in Nürnberg und einem Tag in Leipzig bin ich am 18.08. in Magdeburg abends angekommen.
Gleich am ersten Abend beim Imbiss war ein Magdeburger auffallend gastfreundlich. Das hat sich in den darauffolgenden Tagen dann auch bestätigt. Nicht nur die Magdeburger Grünen, sondern eben alle Bürger:innen waren extrem freundlich. Auch wenn beim Infostand am Allee-Center, beim Flyern an Bushaltestellen oder beim Haustürwahlkampf in Plattenbauten die Ablehnung für meine Parteifarbe groß war, sie wurde fast immer freundlich mitgeteilt.
Ein älterer Mann wollte länger ins Gespräch kommen. „36 Jahre ist hier nichts vorangegangen, jetzt sollen mal paar andere ran dürfen.“ Diesen Wunsch nach Veränderung hört man oft. Die Gefahren, die hinter einer rechtsextremen Regierung stecken, wollen aber wenige ernst nehmen. Und dann gibt es die, welche wohl die AfD nicht trotz der Ideologie, sondern wegen ihr wählen. Allerdings kann ich von keinen besonderen Momenten berichten, wo jemand optisch auffallend oder ausfallend gewesen wäre. Das kann eine allerdings auch zusätzliche Sorge bereiten, da es eben nicht mehr die glatzköpfigen Neonazis der 90er sind. Wähler:innen, die völkisches Gedankengut tolerieren oder gutheißen, sind nun vielleicht auch der Mann im Anzug oder die Frau mit den Einkaufstüten im Bus.
Beim Plakatieren ging ein junger Familienvater mit Frau und Kinderwagen in meinem Rücken vorbei und raunte: „Gleich komm ich wieder und reiß das ab.“ Das ist allerdings nichts, was man in Ebersberg nicht auch erleben könnte als Grüner.
Bei Gesprächen mit Geschäften in der Magdeburger Innenstadt, um ein Plakat für eine Habeck-Veranstaltung aufzuhängen, ist mir vor allem ein Gespräch mit einem türkischen Imbiss-Betreiber im Kopf geblieben. Seit den 90er Jahren sei er in Magdeburg und macht sich zusammen mit seinen Mitarbeitern Sorgen, was nach der Wahl los sein wird, wenn Rechtsextreme und Faschisten in der Regierung sind. Daher durften wir gerne ein Plakat aufhängen und bekamen noch ein Versprechen: „Wir wählen alle Grün oder Linke“. Der Imbiss hat dann auch beim „Migranten-Streik“ am 26.08. teilgenommen, bei dem migrantisch geführte Läden geschlossen hatten.
Ein großes Highlight war der motivierende CSD in Magdeburg, bei dem auch die Bundespolitik durch Felix Banaszak und Ricarda Lang vor Ort war.
Unterm Strich steht für die Zeit in Magdeburg, dass wir die Grünen Mitglieder dort viel unterstützen konnten, das Infomaterial unter die Leute zu bringen. Man ärgert sich vielleicht über die vielen Wahl-Informationen im Briefkasten. Aber man fühlt sich auch genau von der Partei vernachlässigt, die nicht im Briefkasten liegt. Teilweise ist doppelt und dreifach so viel Wahlkampf möglich durch die "Wahlkampfurlauber", so wie ich. Jetzt habe ich dort aber auch nur das Stadtleben gesehen. Gerne hätte ich auch mit Menschen auf dem Land gesprochen, wo sie sich konkret Veränderungen wünschen.
Nach einem Zwischenstopp in Hamburg bin ich nun vom 28.08.-06.09. in Schwerin. Hinter mir habe ich bereits 5h Infostand und mehrere Stunden Briefkasten-Flyern. Heute Abend kommen Cem Özdemir und Spitzenkandidatin Claudia Müller. Mein erster Eindruck ist, dass die Leute mir hier bisher direkter ihre Wahlentscheidung für die AfD mitteilen. Aber bis auf wenige Ausnahmen blieb alles freundlich.
Und das ist bisher mein Fazit, warum sich diese Reise besonders gelohnt hat. Nicht nur kann ich den Grünen helfen ihre Inhalte wirklich zu den Wähler:innen zu bringen und damit hoffentlich rechtsextreme Regierungen verhindern. Ich konnte mich auch davon überzeugen, wie unglaublich schön diese Städte und wie freundlich die Menschen dort sind. Magdeburg und Schwerin sind sehr lebenswerte Städte. Beide Städte haben tolle Infrastruktur, viel Einzelhandel und große Geschichte zu entdecken. Mein erster Aufenthalt in den beiden Bundesländern hat sich sehr gelohnt.
Auch wenn ich auf der Reise viele Grüne aus ganz Deutschland kennenlernen durfte, die sich Sorgen machen, nicht jeder kann seinen Urlaub in den beiden Bundesländern verbringen. Daher habe ich zusammen mit Sarah Onken, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Kreistag Ebersberg, im Kreisverband Ebersberg eingebracht, dass wir Grüne jeweils 1000€ an beide Landesverbände spenden, um den Wahlkampf zu stützen.
Weil wir hinter unseren Themen stehen. Weil Klimaschutz in beiden Bundesländern ohne Grüne kaum vorkommen würde. Weil es zwei Bundesländer mit enormer Stromproduktion sind und wir diesen Weg mit Solar und Wind weitergehen wollen. Aber das inhaltliche dahingestellt: Wir machen uns Sorgen um die Demokratie in beiden Bundesländern und unserer Republik. Ohne die Grünen im Landtag gibt es nahezu sicher in beiden Bundesländern eine rechtsextreme Regierung. Unser System und die Demokratie können vieles überstehen. Aber man muss sich Sorgen machen, welch verheerende Auswirkungen, das auf unser Land haben würde. Ein CSD, wie ich ihn in Magdeburg erlebt habe, wäre nicht mehr möglich.
Über die Reise berichte ich auch auf meinem Instagram-Account. Dafür habe ich mich auch mit den Themen vor Ort auseinandergesetzt und z.B. einen Beitrag über das Niedrigwasser an der Elbe gemacht. An der Elbe bei historischem Tiefstand zu stehen, hat die Hitze dieses Jahres nochmal besonders greifbar gemacht. Ein Beitrag zu den beiden Strom-Exportländern und den Gefahren der AfD Wirtschaftspolitik wird noch erscheinen. Fährt man mit dem Regionalzug übers Land entdeckt man – für bayerische Augen sehr ungewöhnlich große – Wind- und Solarparks.
Für meinen Online-Auftritt bekomme ich auch einige negative Kommentare aus der rechten Szene. Entweder ist der Grüne das Feindbild oder der Wessi. Da ich 1992 geboren wurde, habe ich nie gelernt in Ost und West zu denken. Für mich ist es eine Reise, um unser Land und die Leute besser kennenzulernen. Durch Zuhören und durch Diskutieren. Wie bei jedem Urlaub bekommt man aber nur bedingt die Lebensrealität der Menschen mit. Es ist aber bereichernd die eigenen Eindrücke mit den anderen Wahlkampfurlaubern, die zwischen 16 und 70 Jahren sind, und den einheimischen Grünen zu teilen. Mir ist wichtig mitzuteilen, dass ich mich für diese Gegenden und ihre Themen interessiere.
Nicht immer ist es aber erwünscht, ins Gespräch zu kommen, was vielleicht eine nette Anekdote ist. Den Haustürwahlkampf in Schwerin erledigen die Schweriner Grünen selbst. Der Norddeutsche legt dann doch sehr großen Wert darauf von seiner eigenen Sprechart angesprochen zu werden. Aber das kennen wir Bayern ja durchaus auch.'
Maximilian Blindhuber schildert in diesem Beitrag seine Eindrücke von seinem "Wahlkampfurlaub"von 18.8.26 bis 06.09.26 in in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern
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