
01.10.26 –
„In uns der Ozean“ – Theresia Graw und die Kraft des geschriebenen Wortes
Wie eine Wissenschaftlerin mit einem Buch die öffentliche Diskussion über Umwelt und Pestizide veränderte, stand im Mittelpunkt einer Lesung des Frauen*netzwerks GRÜNE EBE im OHA in Vaterstetten. Zu Gast war die Autorin und Journalistin Theresia Graw mit ihrem Roman „In uns der Ozean“ über das Leben der amerikanischen Meeresbiologin Rachel Carson.
Graw ließ mit ausgewählten Passagen Rachel Carsons Lebensweg und ihre Zeit lebendig werden. Dabei stand die Biografie ebenso im Mittelpunkt wie die besondere Verbindung von Wissenschaft, Naturverbundenheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Carson liebte das Meer und die Natur und besaß zugleich die Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich und anschaulich zu vermitteln.
Ihr eigener Weg in der Wissenschaft war für eine Frau ihrer Zeit alles andere als selbstverständlich. Carson konnte studieren, musste ihre geplante Promotion jedoch aus finanziellen Gründen aufgeben. Bei der US-Fischereibehörde schrieb sie unter anderem Beiträge für eine Hörfunkreihe über das Meer und machte sich später mit ihren Büchern auch als Autorin einen Namen.
Besondere Bedeutung erlangte Carson mit „Der stumme Frühling“. Sie hatte sich intensiv mit den Folgen des großflächigen Einsatzes von Pestiziden wie DDT beschäftigt und beschrieb deren Auswirkungen auf Tiere und Ökosysteme. Das 1962 erschienene Buch löste eine breite öffentliche Debatte aus. Carson stellte sich dabei auch den massiven Angriffen aus Teilen der Chemieindustrie. Ihre Arbeit wurde zu einem wichtigen Impuls für ein neues Umweltbewusstsein und für die moderne Umweltbewegung.
Durch die Lesung wurde den Zuhörerinnen und Zuhörern bewusst: Rachel Carson bleibt bis heute bemerkenswert als Wissenschaftlerin, als Umweltschützerin und als Frau, die sich in einer stark von Männern geprägten Wissenschaftswelt behauptete.
Rund zwei Jahre hat Theresia Graw für ihren Roman recherchiert und geschrieben. Wie intensiv sie sich dabei mit Rachel Carson, ihrer Zeit und ihrem Umfeld beschäftigt hat, wurde insbesondere durch die bildhafte Schreibweise spürbar. Noch lange ist nicht alles erzählt – um Rachel Carson nachzuspüren empfiehlt es sich das Buch zu lesen.
Die Lesung zeigte damit auch, warum Rachel Carsons Geschichte mehr als 60 Jahre nach „Der stumme Frühling“ aktuell bleibt. Entscheidend ist neben wissenschaftlich fundierten Aussagen, diese verständlich zu machen, öffentlich zu vertreten und daraus Verantwortung für den Umgang mit unserer Welt abzuleiten.
Herzlichen Dank, Theresa Graw für den Besuch bei unserem Netzwerk, dem OHA für die freundliche Bereitstellung der Räumlichkeiten und dem Buchladen in Vaterstetten für die Bereitstellung der Bücher.
Für das Frauen*netzwerk
Christina Landgraf
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