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Schulsozialarbeit in schwieriger Lage

An Realschulen und Gymnasien

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10. Sep. 2021 –

Wenn die Schülerinnen und Schüler des Landkreises für das neue Schuljahr in ihre Realschulen und Gymnasien zurückkehren, beginnt ein weiteres Kapitel der Ungewissheit über die Möglichkeiten, in Zeiten einer vierten Welle Präsenzunterricht zu gewährleisten und damit einen fast normalen Lernalltag zu erleben.

Aber noch etwas wird neu sein. Die bewährten Sozialpädagog*innen der Jugendhilfe Oberbayern (Sozialarbeit an Schulen) mussten ihren Platz räumen. Die vertrauten Ansprechpartner*innen für alle möglichen Probleme werden nicht mehr da sein – und das in einer Situation, die den Kindern und Jugendlichen viel zumutet.

Wie kam es dazu und durch wen werden sie ersetzt? Mit Auslauf des alten Vertrages wurde die Sozialarbeit in einem sogenannten offenen Verfahren für weitere drei Jahre mit Verlängerungsoption ausgeschrieben. Die Besonderheit dieses Verfahrens liegt zum einen darin, dass nach Abgabe der Angebote der Zuschlag dem wirtschaftlichsten Anbieter ohne die Möglichkeit weiterer Verhandlungen erteilt werden muss. Zum anderen ist es ein zeitsparendes Verfahren – und offenbar war auch dies ein Grund für das Vorgehen.

Der bisherige Vertragspartner, die Jugendhilfe Oberbayern der Diakonie, wurde auf Grund eines Formfehlers ausgeschlossen, so dass der zweite Bewerber den Zuschlag erhielt. Diese Entscheidung wurde jedoch von der Jugendhilfe Oberbayern beklagt. Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

Anfang Juni 2021 stellten wir Grüne im Schulausschuss des Kreistags (SFB) den Antrag, die sozialpädagogische Unterstützung an den weiterführenden Schulen für 3 Jahre um 50 % auf dann sechs Vollzeitstellen zu verstärken, da es immer mehr alarmierende Meldungen über negative psychosoziale Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche gab. Wir waren überzeugt, dass eine Erweiterung dieses niederschwelligen Angebots die Bewältigung der Krise erleichtern würde.

Als Reaktion auf diesen Antrag schlug die Führung des Jugendamts vor, wie von uns gefordert künftig den Personaleinsatz von den Schülerzahlen abhängig zu verstärken – erfreulicher Weise nicht befristet. Dieses Konzept wurde im SFB Ende Juni angenommen. Im Ergebnis wird dies zur Besetzung von 1,5 statt der von uns vorgeschlagenen 2 Stellen zusätzlich führen.

Leider wird noch reichlich Zeit vergehen, bis das umgesetzt werden kann.

Wegen des anhängigen Gerichtsverfahrens kann der Auftrag für den neuen Anbieter nicht endgültig vergeben werden. Es musste schnell eine vorläufige Lösung für die Zeit bis zu einer juristischen Entscheidung gefunden werden. Also wurde eine Interimsvergabe beschlossen, die auf wenige Monate begrenzt ist. Da Sozialpädagog*innen derzeit überall gesucht sind, werden die Stellen zu den angebotenen Konditionen nicht leicht zu besetzen sein.

Darüber hinaus ist es aus rechtlichen Gründen derzeit nicht sinnvoll, die zusätzlichen 1,5 Stellen bereits auszuschreiben, so dass die von der Grünen Fraktion beabsichtigte Intensivierung der sozialpädagogischen Unterstützung an den Realschulen und Gymnasien erst einmal nicht eintreten wird.

Unser Fazit ist ein höchst zwiespältiges. Einerseits war unser Vorstoß zur Verstärkung des Personals größtenteils erfolgreich und hat die Unterstützung des SFB gefunden.

Andererseits haben die von der Verwaltung gewählte Art der Ausschreibung und der Formfehler des bisherigen Anbieters dazu geführt, dass die erfahrenen Mitarbeiter*innen der Sozialarbeit an Schulen gehen mussten und derzeit unsicher ist, ob auch nur die bisher vorhandenen 4 Vollzeitstellen, die auf die 8 Realschulen und Gymnasien verteilt waren, angemessen wiederbesetzt werden können. Und das in einer sehr kritischen Zeit für die Schülerinnen und Schüler.

Auf eine intensivere Betreuung, die für den Beginn dieses herausfordernden neuen Schuljahres notwendig gewesen wäre, müssen sie bis auf weiteres verzichten.

Reinhard Oellerer, Kreisrat (SFB)
Ottilie Eberl, Kreisrätin (SFB)
Waltraud Gruber, Fraktionsvorsitzende
Ronja Schweinsteiger (JHA)

 

 

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