• Momentan noch grüne Wiese - das Areal für das Gymnasium Poing; ©Foto: Christina Landgraf

Raumkonzept für das Gymnasium Poing

Schule als zentralen und wertvollen Lebensraum planen

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Die Grüne Kreistags-Fraktion begrüßt den Neubau eines Gymnasiums in Poing. Sie setzen sich u.a. dafür ein, dass Lernlandschaften und flexible Raumgestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten in das pädagogische Konzept eingeplant werden.

21. Nov. 2022 –

Die Grüne-Fraktion im Kreistag Ebersberg begrüßt den Neubau eines Gymnasiums in Poing. Dieser soll im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Kreistages schnellstmöglich umgesetzt werden. Eine nachhaltige und zügig umsetzbare Bauweise ist dabei im Interesse der Fraktion der Grünen. Es darf aber ein zeitnaher Baubeginn nicht gegen die qualitativen Ansprüche an die Ausgestaltung des Gebäudes im Hinblick auf zeitgemäßen Unterricht sowie der Schule als zentralen und wertvollen Lebensraum der Schüler*innen ausgespielt werden. Denn dann würden die Schüler*innen und deren Lernerfolge am Gymnasium Poing langfristig unter einer solchen Entscheidung des Kreistages leiden.

Als Bildungsregion brauchen wir vielmehr ein Gymnasium, das den Anforderungen der nächsten Jahrzehnte gerecht werden kann!

Bezugnehmend auf den Antrag der CSU-Fraktion vom 23.10.22 und der SPD-Fraktion vom 13.10.22 stellen wir daher folgenden Antrag:

  1. Es wird keine weitere Reduzierung des Raumprogramms vorgenommen. Das vorliegende Raumkonzept wurde vom Ministerialbeauftragten OberbayernOst und der Regierung von Oberbayern geprüft und für angemessen sowie pädagogisch sinnvoll befunden. Der Umfang des vorliegenden Flächennutzungskonzepts wird Bildungsexperten zufolge bereits als Minimum für die Errichtung eines zeitgemäßen Schulgebäudes erachtet.

  2. Lernlandschaften und flexible Raumgestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten werden als fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts eingeplant. Ein*e erfahrenere(r) Schulleiter*in im Bereich von Lernlandschaften, Lernhauskonzepten oder Clusterkonzepten an weiterführenden Schulen sowie ein auf diesem Gebiet erfahrenes Architekturbüro erläutern in einer Kreistagssitzung den Mehrwert des Konzeptes und beraten die Liegenschaften sowie die Schulabteilung im Landratsamt bei den weiteren Planungen für den Neubau. Nach Aussagen von im neueren Schulbau erfahrenen Architekturbüros (z.B. Köhler Architekten + Beratende Ingenieure GmbH Gauting) ist die Planung einer Schule mit Lernlandschaften, die wie Klassenzimmer gefördert werden, nicht mit höheren Kosten verbunden.

  3. Beim Neubau des Gymnasiums Poing sollen Raumkonzept, Infrastruktur und mediale Ausstattung konsequent auf ein Konzept zur Vollausstattung der Schüler mit vollwertigen digitalen Endgeräten ausgerichtet sein, die auch im Informatikunterricht eingesetzt werden können. Auf die Errichtung von zusätzlichen Computerfachräumen kann daher verzichtet und die Baukosten so verringert werden. Nach Auskunft der medienpädagogischen Berater digitale Bildung des Ministerialbeauftragten OberbayernOst kann ein solcher zukunftsweisende Ansatz den Anforderungen der Lehrpläne voll gerecht werden. Der Landkreis spart damit nicht nur Kosten, sondern liefert auch ein weiteres Argument für eine „Innovationspartnerschaft“. Er gestaltet damit ein vorbildhaftes Pilotmodell mit einer positiven Außenwirkung für den Landkreis.

  4. Die Vorläuferklassen für das Gymnasium Poing werden direkt am Gymnasium Markt Schwaben oder in unmittelbarer Nähe in Markt Schwaben untergebracht. Dafür können ggf. auch Räumlichkeiten der Realschule Markt Schwaben genutzt werden. Nur so ist eine reibungslose Versorgung der Vorläuferklassen mit Lehrkräften des Gymnasiums Markt Schwaben und eine volle Integration der Schüler*innen in das Schulleben am Gymnasium Markt Schwaben mit Teilnahme an der OGTS, an Wahlkursen usw. möglich.

Begründung:

«Es führt kein Weg an den VUCA Welten vorbei», sagt Sabine Seufert, Direktorin des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungstechnologien an der Universität St.Gallen. VUCA steht für Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity oder auf Deutsch: Veränderlichkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Dies sind die Merkmale, von der unsere Gesellschaft und unsere Berufswelt in zunehmendem Maße geprägt sind.

Auftrag der Schulen ist es daher, die Schüler*innen auf diese Herausforderungen vorzubereiten. Lehrkräfte werden dabei immer stärker zu Mentoren, die Lernprozesse begleiten und kreative Problemlösungs-, Sozial- und Selbstkompetenzen fördern. Dafür benötigt wird der „Raum als zweite Lehrperson“. Eine zeitgemäße Schule muss vielfältige Räume und Möglichkeiten für kollaboratives, kreatives und problemlösendes Lernen und Lehren schaffen.
Voraussetzung dafür sind zum einen flexible Raumgestaltungs- und Raumnutzungsmöglichkeiten. Lernhauskonzepte, Lernlandschaften und Cluster-Bauweisen sind dafür besonders gut geeignet.

Zum anderen braucht es dafür eine reflektiert gestaltete „Digitalität“ (im Unterschied zur Digitalisierung geht es dabei um ein pädagogisches und nicht um ein technisches Konzept!) und modernste infrastrukturelle Rahmenbedingungen. Schule muss unsere Kinder fit machen im Umgang mit sozialen Medien, mit ihren eigenen Daten und mit digitalen Endgeräten. In einer modernen Schule braucht es daher keine Computerräume mehr, sondern Schüler, die ihr eigenes Endgerät sinnvoll, reflektiert und kompetent im Unterricht und privat einsetzen und mit diesen kooperativ und kollaborativ zusammenarbeiten. Nur so erhalten die Schüler die Kompetenzen, die sie im Umgang mit einer digitalisierten VUCA-Welt benötigen.

Beim Bau des Gymnasiums Poing wie auch bei anderen zukünftigen Schulen im Landkreis darf es daher nicht allein darum gehen, diese möglichst kostengünstig und zeitnah zu errichten, sondern Schulen zu schaffen, die unsere Kinder in den Mittelpunkt stellen und auf die Zukunft ausgerichtet sind. Als Eltern, als Kreisrät*innen und als Bildungsregion Ebersberg muss es unser größtes Anliegen sein, die Schüler*innen des Landkreises zu wertorientierten, kompetenten und kritisch denkenden Charakteren entwickeln, die für eine technologisch und menschlich herausfordernde Zukunft bestens gerüstet sind. Dafür müssen wir als Kreistag in unseren Schulen die nötigen Rahmenbedingungen schaffen!


Gezeichnet:
Johannes von der Forst, Kreisrat
Ottilie Eberl, Kreisrätin
Reinhard Oellerer, Kreisrat
Waltraud Gruber, Fraktionssprecherin

 → Antrag als pdf

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