• Sabine Brückmann bei Caipy's

Aßling: UNSER LAND - unsere Nahrungsversorgung

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07. May. 2009 –

Das Preisdumping der Discounter zwingt zu immer markt-effizienteren Produktionsverfahren: Qualität - für Mensch und Umwelt - wird zweitrangig. Massentierhaltung und andere Formen der Ausbeutung sowie Umweltschäden sind die Folge. Der Ortsverband lud am 7.5.09 zu einer Info- und Diskussions-Veranstaltung bei Caipy"˜s ein um dies zu thematisieren und Alternativen aufzuzeigen.

Eine ganz konkrete Alternative führt das regionenbezogene Netzwerk UNSER LAND vor, über das dankenswerterweise die 1.Vorsitzende der Solidargemeinschaft EBERSBERGER LAND, Frau Sabine Brückmann, referierte. Sie schilderte die Entwicklung des Netzwerks seit 1994 (Anfänge in Fürstenfeldbruck) bzw. 1998 (Gründung von EBERSBERGER LAND) und erläuterte die zugrundeliegende Idee und die Ziele der Initiative. Hier einige wesentliche Stichpunkte:

Das Netzwerk UNSER LAND ist ein Verbund regionaler Produktionsbetriebe und umfasst derzeit neun Solidargemeinschaften in zehn Landkreisen rund um München sowie die Landeshauptstadt selbst (BRUCKER / DACHAUER / EBERSBERGER / MIESBACHER / TÖLZER / WERDENFELSER / WEILHEIM-SCHONGAUER / LANDSBERGER / STARNBERGER / MÜNCHEN LAND). Die einzelnen Solidargemeinschaften sind gemeinnützige Vereine, ebenso der Dachverein UNSER LAND. Der Dachverein ist wiederum Gesellschafter bei der UNSER LAND GmbH.

Regionale Selbstversorgung: Es geht hier nicht um "Regionalvermarktung" (die überregionale Vermarktung der Regionen), sondern um die Stärkung der regionalen Produktions- und Marktkreisläufe.

Solidargemeinschaft: Die Initiative legt Wert auf eine breite Basis in der aktiven Bürgergesellschaft und versteht sich als Interessengemeinschaft der Landwirtschaft, des Handwerks und Handels, der Verbraucher, der Kirchen und der Umwelt- und Naturschutzverbände.

Ziele: Die Erhaltung der Lebensgrundlagen (Wasser, Erde, Luft und Energie) durch eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsweise soll "schmackhaft" gemacht werden. Das Augenmerk liegt auf den Produktionsbedingungen, qualifizierten Arbeitsplätzen, menschennahe Versorgungsstrukturen für das tägliche Leben sowie dem Erhalt einer lebens- und liebenswerten Kulturlandschaft.

REGIONAL versus BIO: Nicht alle UNSER-LAND-Lebensmittel sind mit dem BIO-Siegel ausgezeichnet. Allerdings unterliegen auch die "konventionell" erzeugten Lebensmittel relativ strengen Produktions-Richtlinien, die den Kriterien der EU-Ökoverordnung sehr nahe kommen. Der regionale Ursprung der Produkte (Vermeidung langer Transportwege) wird als sehr relevant für die ökologische Nachhaltigkeit eingestuft.

Probleme: Neben manchen logistischen Schwierigkeiten zeigt sich bei der Vermarktung "gesunder" Lebensmittel nicht selten die Entfremdung der Verbraucher zu den natürlichen Eigenschaften dieser Produkte: Sie sind weniger haltbar als die industriell verabeiteten, und sie sind nicht alle zu jeder Jahreszeit erhältlich; unbehandelte Milch, bei der sich naturgemäß nach kurzer Zeit eine Rahmschicht an der Oberfläche bildet, wird von manchen Konsumenten als verdorben eingeschätzt.

"” Ausführliche Informationen hierzu unter www.unserland.info

Nach dem Vortrag von Frau Brückmann wurde der Film WE FEED THE WORLD (von Erwin Wagenhofer) gezeigt. Er gibt Einblicke in die industrielle Produktion unserer Lebensmittel und macht - unterstützt durch Erläuterungen des UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler - auch ihre katastrophalen Folgen für andere Weltregionen sichtbar. Beispiele:

Brot: Die Regale in unseren Supermärkten müssen, um zum Kaufen einzuladen, bis zum Ladenschluss gefüllt sein - auch mit Frischware wie Brot. Das zwangsläufig übrig bleibende Brot wird "entsorgt". Mit der Menge des täglich in Wien vernichteten Brotes könnte die zweitgrößte Stadt Österreichs, Graz, eine Tag lang versorgt werden könnte.

Fleisch: Auf rund 350.000 Hektar vor allem in Lateinamerika (Amazonien!) werden Sojabohnen für die europäische Viehwirtschaft angebaut, daneben hungert ein Viertel der einheimischen Bevölkerung.

Gemüse: Jede Europäerin und jeder Europäer essen jährlich zehn Kilogramm künstlich bewässertes Treibhausgemüse aus Südspanien, wo deswegen die Wasserreserven knapp werden.

Wasser: Der Chef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé äußert im Interview seine Meinung, dass das Wasser als Lebensmittel einen Marktpreis haben müsse, damit bewusster und verantwortlicher damit umgegangen würde. Dazu sollten die Quellen privatisiert werden!

In der abschließenden Diskussion wurde lebhaft über die Preispolitik der Großproduzenten und -vermarkter auf Kosten der regionalen Landwirtschaft diskutiert. Das Argument, dass viele Menschen sich nur Lebensmittel zu Tiefstpreisen leisten können und daher auf das Angebot der Discounter angewiesen sind, wurde als sehr fragwürdig angesehen: Selbst wenn es stimmt zeugt es ja nur von erschreckenden Fehlentwicklungen - nicht nur im ökologischen, sondern auch im sozialen Bereich.

Von: Ernst Weeber

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